Dienstag, 9. Mai 2017

"Ich bin klein, mein Herz ist rein" - Warum es beim Evangelium um mehr geht als um persönliche Errettung.



Einer der wichtigsten Begriffe der ganzen Bibel, der Theologie und unseres christlichen Glaubens ist der Begriff Evangelium. Evangelium ist die verdeutschte Aussprache des griechischen Begriffs euangellion. Das heisst übersetzt: gute Botschaft. Es wäre einmal wichtig zu klären, was denn das Gute an der guten Botschaft ist? Was sollen wir denn da genau verkündigen? Was ist denn an dieser guten Botschaft so attraktiv, dass Gott uns dazu auffordert, sie allen Menschen bis ans Ende der Welt zu erzählen. Und warum fällt es uns gleichzeitig so schwer, zu evangelisieren? Ich glaube es liegt zu einem ganz großen Teil daran, dass wir eine ziemlich eingeschränkte und reduzierte Sicht vom Evangelium haben.
Es gibt einen ganz klassischen Ansatz, wie das Evangelium verstanden wird und der die Ursache für diese verkürzte und reduzierte Sicht des Evangeliums ist. Die meisten heutigen Christen, die sich als bekehrte oder wiedergeborene Christen bezeichnen, glauben an dieses sehr verkürzte Verständnis des Evangeliums. Es ist die Grundlage ihres Christseins und ihrer Verkündigung. Der Kern von diesem Verständnis des Evangeliums ist das Thema Erlösung und Errettung. Was Jesus am Kreuz getan hat ist das Entscheidende und bewirkt, dass der einzelne Mensch Vergebung seiner persönlichen Schuld erlebt und wieder mit Gott versöhnt ist. Bei diesem Verständnis ist das Evangelium vor allem das Evangelium von der Erlösung.
In der Lausanner Verpflichtung, einem ganz wichtigen Dokument der evangelikalen Bewegung steht zum Beispiel geschrieben: Evangelisieren heißt, die gute Nachricht zu verbreiten, dass Jesus Christus für unsere Sünden starb und von den Toten auferstand nach der Schrift und dass Er jetzt die Vergebung der Sünden und die befreiende Gabe des Geistes allen denen anbietet, die Buße tun und glauben. […] (Lausanner Bewegung Deutschland. "Lausanner Verpflichtung 1974")
Im deutschsprachigen Raum wird dieses auf die Erlösung konzentrierte Verständnis des Evangeliums vor allem durch die sogenannten »Vier geistlichen Gesetze« zum Ausdruck gebracht. Ein kleines Heftchen, dass das ganze Evangelium in vier einfachen Schritten zum Ausdruck bringt. Diese vier Schritte zielen ausschließlich auf die Erlösung des Menschen ab. Alles was hier über die Erlösung gesagt wird ist absolut richtig und korrekt. Das ist nicht falsch. Aber es ist trotzdem sehr problematisch. Warum?

Zum einen spricht dieses Verständnis des Evangeliums Themenbereiche an, die für den heutigen Menschen überhaupt nicht mehr relevant oder nachvollziehbar sind. Im Zentrum steht nämlich der Begriff Sünde, die die Menschen von Gott trennt. Und die Erlösung ist hier im wahrsten Sinn des Wortes eine Lösung. Die Lösung für das Problem Sünde. Nun haben heutige Menschen aber überhaupt kein Bewusstsein mehr für diesen alten Begriff Sünde. Sie haben kein Problem mit der Sünde! Für sie hängt Sünde mit altmodischen Moralvorstellungen zusammen, die nun heutzutage wirklich keiner mehr möchte. Ich muss den Menschen also erst einmal eine Problematik einreden, damit ich sie im zweiten Schritt durch die Erlösung wieder davon befreien kann. Das ist zwar theologisch richtig, aber für unsere Verkündigung ziemlich unrelevant und schwierig. Und irgendwie spüren wir das auch alle und darum fällt es uns so schwer, in dieser Art und Weise die gute Botschaft zu verkündigen.
Und das führt uns auch zum zweiten Problem dieser Darstellung des Evangeliums: Sie ist in der Tat völlig verkürzt. Wer das Evangelium auf die individuelle Erlösung des Menschen reduziert, malt am Ende dann eben doch ein falsches Bild des Evangeliums. Das Evangelium ist so viel mehr als die Erlösung des einzelnen Menschen. Aber diese Reduzierung des Evangeliums auf die vier geistlichen Gesetze hat dazu geführt, dass wir ganz entscheidende Aspekte der guten Botschaft übersehen haben. Für zu viele Christen ist das Evangelium nichts anderes, als sicherzustellen, dass das eigene Herz rein und die Beziehung zu Gott wieder in Ordnung gebracht ist. Ich bin klein, mein Herz ist rein, soll niemand drin wohnen als Jesus allein! Weiter geht der Blick nicht.
In diesem Sinne ist das Evangelium vor allem eine gute Botschaft für mich. Gott sendet seinen Sohn in diese Welt und lässt ihn sterben, gerade für mich. Und wenn es nur mich gegeben hätte, dann hätte Gott auch seinen Sohn gesandt. Diese verkürzte Darstellung des Evangeliums hat zu einem ganz individualisierten Glauben geführt: Deine Erlösung, deine Beziehung zu Gott, dein Seelenheil, deine Vergebung, dein reines Herz und deine Wiederherstellung.
Bei diesem Evangeliumsverständnis hat man vor allem die Zukunft, die Ewigkeit in Blick. Dadurch ist diese Welt, ihre Beschaffenheit, ihr Zustand und ihre Zerbrochenheit nicht von großem Interesse, sondern was nach dieser Welt kommt, was im Jenseits auf uns wartet.   Und darum wundert es auch nicht, dass bei diesem klassischen Verständnis von Evangelium soziales Engagement, die Bewahrung der Schöpfung und Frieden nicht sonderlich im Blickfeld ist. Denn bei diesem Verständnis geht es nicht um soziales Engagement, da geht es um die Ewigkeit!
Da ist man entweder evangelikal und evangelistisch oder man ist liberal und sozialdiakonisch. Man darf sich schon um die Armen kümmern, aber entscheidend ist deren Seelenheil. Was nützt es wenn einer genug zu essen hat und am Ende doch verloren geht? Man darf sich schon um die Bewahrung der Schöpfung und der Natur kümmern, aber was nützt das, wenn am Ende sowieso alles vergeht und nur der neue Himmel und die neue Erde zählen? Man darf sich schon um Frieden bemühen, aber so entscheidend ist das nicht, denn viel schlimmer als der irdische Tod ist der ewige Tod.

Das Evangelium
Das Wort Evangelium ist keine Erfindung von Jesus oder den neutestamentlichen Autoren. Der Begriff war schon bei den Griechen und ganz besonders bei den Römern bekannt.
Um ein Verständnis vom Begriff Evangelium zu bekommen müssen wir zurück zum Beginn des römischen Reiches. Wenn man solch ein großes Reich aufbauen möchte, zusammenhalten möchte, es vergrößern möchte, braucht es einen einheitsstiftenden Kult (Kultur) und eine einheitstiftende Erzählung, eine sog. Narrative. Die Römer hatten solch eine einheitsstiftende Erzählung, solch eine Narrative. Die römischen Cäsaren waren Meister darin, solch einen Kult und solch eine Geschichte zu kreieren, die dem ganzen Volk Einheit und Bestimmung und Vision gab. Und diese Narrative ging folgendermaßen:
Der erste Kaiser dieses römischen Reiches war Julius Caesar. Und ihm wurde nun nachgesagt, dass seine Geburt etwas ganz Einmaliges war. Caesar war von den römischen Göttern geboren.  Caesar war von den Göttern gesandt mit einem ganz speziellen Auftrag. Für die Römer war Caesar göttlicher Herkunft. Die römischen Kaiser hielten sich tatsächlich für göttlich. Und wenn Caesar als erster römischer Herrscher göttlicher Herkunft war, wurden alle folgenden römischen Kaiser als Söhne Gottes bezeichnet. Sohn Gottes war also ein politischer und religiöser Begriff zugleich, der deutlich machte, dass dieser Herrscher in der Kraft und der Gunst der Götter regierte. Aber die römischen Kaiser wurden nicht nur als Sohn Gottes bezeichnet, sondern sie gaben sich auch den Titel «Soter», was so viel wie Retter oder Erlöser oder Messias bedeutet. Somit war der römische Kaiser die große Erlöserfigur, der universellen Frieden und Wohlstand brachte.  Auf vielen römischen Münzen stand der Satz: «Frieden durch Sieg». Und mit Sieg war natürlich der militärische Sieg gemeint. Auf diese Weise eroberten die Römer ein Land und ein Volk nach dem anderen und über allem stand der sogenannte Pax Romana, der römische Frieden. Und wenn man den Römern widerstanden hat, dann wurde man eben mit dem Schwert getötet oder gekreuzigt. Insofern kam es bei diesem Frieden sehr darauf an, auf welcher Seite des Schwertes man sich befunden hat.   
Und wann immer ein Kaiser ein neues Gebiet erobert hatte und es dem römischen Reich hinzufügte, wurde diese Nachricht Evangelium genannt. Gute Botschaft.  Das Evangelium war eine gute Botschaft, weil es eine Siegesbotschaft war.
Beim Sohn Gottes dachte man an den römischen Kaiser und bei Evangelium dachte man an seinen Sieg, seine Siegesbotschaft, dass sein Reich weiter gewachsen ist und der römische Frieden vergrößert wurde.
Und genau in diese Zeit hinein kommt Jesus, der Sohn Gottes und verkündigt das Evangelium.
Und nun muss man sich den allerersten Satz des ältesten Evangeliums ansehen, der Satz, der dieses ganze Buch einleitet: Mk.1,Dies ist der Anfang des Evangeliums von Jesus Christus, dem Sohn Gottes.
In diesem Satz sind alle Begriffe, die sonst für den römischen Kaiser gelten aufgegriffen und auf Jesus von Nazareth bezogen: Er ist Sohn Gottes, er ist Christus (das griechische Wort für das hebräische Messias, was soviel wie Erlöser oder Retter (soter) bedeutet), und er bringt das Evangelium. Im Angesicht des römischen Reiches solch einen Satz aufzuschreiben, war nicht nur höchst politisch, es war auch höchst gefährlich. Politischer kann ein Satz nicht sein als dieser erste Satz im Markusevangelium. Und da behaupten Christen immer noch, Glaube und Nachfolge seien nicht politisch!  
Die Geschichte von Jesus ist eine Gegengeschichte und eine Gegenkultur zur damaligen Welt, zum damaligen Weltreich. Der wahre Retter, der wahre Sohn Gottes und das wirkliche Evangelium hängen mit diesem Handwerker aus Nazareth zusammen.
Das Evangelium ist nicht nur die gute Botschaft deiner persönlichen Erlösung und Sündenvergebung, es ist vielmehr der Anfang eines völlig neuen Reiches und eines neuen Weltherrschers, dessen Königreich und dessen Siegesbotschaft aber nicht in seiner militärischen Macht begründet ist und in der Unterdrückung all derer, die gegen ihn sind, sondern in seinem Erbarmen, seiner Liebe und seiner Gerechtigkeit.
Denkt beim Evangelium nicht mehr so klein wie bisher, als würde es nur darum gehen, dass möglichst viele in den Himmel kommen und von ihren Sünden gerettet werden. Es geht vielmehr darum, in dieser Welt ein neues Reich, neue Verhältnisse, ein neues System, eine neue Ordnung, eine neue Kultur und eine neue gute Herrschaft aufzurichten. Das ist die gute Botschaft.
Es geht beim Evangelium eben nicht nur um Erlösung, das ist eine Verkürzung und eine Einseitigkeit. Es geht beim Evangelium vor allem um das Reich Gottes, die neue gute Herrschaft Gottes. Das ist der zentrale Inhalt des Evangeliums.
Jesus hat nicht einfach nur das Evangelium verkündigt, er hat das Evangelium vom Reich Gottes verkündet. Viele Bibelstellen bringen das immer wieder zum Ausdruck:         
Mt 4,23 Und er zog umher in ganz Galiläa, lehrte in ihren Synagogen und predigte das Evangelium von dem Reich und heilte alle Krankheiten und alle Gebrechen im Volk.      
Mt 9,35 Und Jesus zog umher in alle Städte und Dörfer, lehrte in ihren Synagogen und predigte das Evangelium von dem Reich und heilte alle Krankheiten und alle Gebrechen.    
Mt 24,14 Und es wird gepredigt werden dies Evangelium vom Reich in der ganzen Welt zum Zeugnis für alle Völker, und dann wird das Ende kommen.   
Mk 1,15 und sprach: Die Zeit ist erfüllt, und das Reich Gottes ist nahe herbeigekommen. Tut Buße und glaubt an das Evangelium!   
 Lk 4,43 Er sprach aber zu ihnen: Ich muss auch den andern Städten das Evangelium predigen vom Reich Gottes; denn dazu bin ich gesandt.   
Lk 8,1 Und es begab sich danach, dass er von Stadt zu Stadt und von Dorf zu Dorf zog und predigte und verkündigte das Evangelium vom Reich Gottes; und die Zwölf waren mit ihm.  
Apg 8,12 Als sie aber dem Philippus glaubten, der das Evangelium vom Reich Gottes und dem Namen Jesu Christi verkündigte, ließen sie sich taufen, sowohl Männer als auch Frauen.
In Jesu Leben und in Jesu Verkündigung geht es um das Evangelium vom Reich Gottes. Das Evangelium ist also nichts anderes wie die gute Botschaft, dass jetzt Gottes Reich, Gottes Herrschaft anbricht. Die damaligen Menschen erlebten die Zerbrochenheit dieser Welt, die ungerechten Verhältnisse, die Ausbeutung, die Unterdrückung, die Gewalt, die Feindseligkeit der Völker, den Machtmissbrauch der Herrschenden, die völlige Verarmung des Volkes durch die Geldgier des Kaisers, tägliche Grausamkeiten, die Einschränkung fast aller Freiheiten, das pure Böse im Handeln ihrer Unterdrücker. Und all diese Elemente des Bösen, des Gewalttätigen, des Menschenverachtenden, des Lebensfeindlichen waren Teil des  politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Systems. Und in diese zerbrochene Welt und im Angesicht dieses gewalttätigen Systems spricht Jesus die gute Botschaft hinein, dass ab jetzt ein neues System, eine neue Herrschaft über die ganze Welt in Kraft gesetzt wird, nämlich das Reich Gottes. Jetzt bricht die Herrschaft des Gottes an, der die Liebe ist und Gerechtigkeit in die Welt bringt. Jetzt ist dieses Reich Gottes nahe herbeigekommen. Es steht in den Startlöchern. Das Reich Gottes ist mehr als deine private Erlösung! Das Reich Gottes stellt das gültige System dieser Welt auf den Kopf! Es überwindet das Böse mit Gutem!
Das Evangelium ist so viel mehr, als unser kleines Herz rein zu machen. Das ist es auch. Aber Jesus will uns nicht nur von unserer persönlichen Sünde befreien, sondern er packt die systemische Sünde an, das Böse im System! Warum kann es seit Jahrhunderten passieren, dass Christen sich von dieser Welt abschotten, nachdem sie sich bekehrt haben, anstatt nach dem Reich Gottes, also dem Beginn einer neuen Herrschaft auf dieser Welt zu trachten und seine Gerechtigkeit zu suchen. Die vier geistlichen Gesetze betonen vor allem den Herrschaftswechsel in meinem eigenen Leben. Auf dem Thron deines Lebens sitzt in Zukunft nicht mehr dein eigenes Ich, sondern Jesus. Aber beim Reich Gottes geht es darum, dass auf dem Thron dieser Welt jemand Neues sitzt und dass es um einen Herrschaftswechsel in diesem Kosmos geht.
In diesem Sinne ist das Evangelium eine gute Botschaft für die gesamte Welt! Gott ist schon klar, dass diese Welt, so wie sie ist vergeht und vor die Hunde geht. Aber in diese Welt hinein beginnt Gott ein neues Reich, neue Verhältnisse, ein ganz neues System, eine neue Art zu leben, eine neue Art miteinander umzugehen. In die ungerechten Verhältnisse dieser Welt soll nämlich die Gerechtigkeit Gottes hineinkommen. Und in das sündige System dieser Welt soll die Liebe und das Erbarmen Gottes hineinkommen. Dazu hast du dich bekehrt und nicht nur dein Ticket in den Himmel gelöst. Und darum sind die vier geistlichen Gesetze so eine gefährliche Verkürzung des Evangeliums. Jesus hat nie gesagt: tut Buße, damit ihr in den Himmel kommt. Jesus hat immer gesagt: tut Buße, denn das Reich Gottes ist nahe herbeigekommen. Buße tun heißt nicht einfach, die persönlichen Sünden von gestern und heute zu beichten, sondern die gesamte Gesinnung zu verändern, auszusteigen aus dem System der Ungerechtigkeit auf dieser Welt, politisch, wirtschaftlich, gesellschaftlich und persönlich, und ein Teil dieser Bewegung zu werden, die diese neuen Herrschaft und dieses neuen Systems vorantreibt und voranbringt! Wir tun Buße, nicht nur damit wir selbst wieder in Ordnung kommen, sondern wir wenden uns damit ab von dem verdrehten System dieser Welt und wenden uns einer neuen Ordnung und einer neuen Gerechtigkeit zu, die sich in uns selbst verwirklicht und über uns hinaus in dieser Welt. Das ist eine viel größere Buße als die Beichte von den paar Sünden die mir gerade einfallen.
 In diesem Sinne müssen wir das Evangelium neu verstehen und neu erzählen. Wir brauchen eine neue Geschichte, eine Narrative, die uns eint, die uns zusammenführt, die die Kräfte bündelt und uns motiviert diese gute Botschaft bis in den hintersten Winkel der Welt zu bringen.

Dienstag, 21. Februar 2017

Gott und Gewalt

Jesus ist das vollkommene und unverfälschte Abbild des Charakters Gottes. Er ist nicht nur ein Aspekt des Wesens Gottes. So als könne Gott auch noch ganz anders... Nein, Gott ist nie anders als er sich in Jesus gezeigt hat. Und Jesus demonstriert mit seinem ganzen Leben absolute Gewaltlosigkeit. Sogar bis zum Tod. Vergebung für seine Henker anstelle von Racheandrohung. Unter diesem Blickwinkel müssen all die gewalttätigen Stellen im AT verstanden werden. Sie sind nicht Ausdruck von Gottes Wesen, sondern inspirierte Dokumentation eines sich langsam entwickelnden und klärenden Gottesbildes, dass in der Offenbarung Jesu als Gott mündet.
Die Bibel ist so inspiriert und so authentisch, dass sie auch abbildet, wie sich das jüdische Gottesbild entwickelt hat. Das Gottesbild ist ja nicht vom Himmel gefallen. Abraham kannte Gott zuerst nicht, in Ägypten lernen sie ganz andere Gätter kennen und dann baut sich ein jüdisches Gottesbild auf, das oft auch noch gemischt ist mit den alten Gottesvorstellungen, den Bildern ihrer antiken Umwelt usw. All das wird auf ihr Gottesbild projiziert, von der Bibel dokumentiert, von Gott immer wieder korrigiert und von uns reflektiert im Spiegel der Offenbarung Gottes in Jesus.
 
Wer das liest, entwickelt leider allzu schnell den Gedanken, dass Gott uns gegenüber ja nun nicht mehr gewalttätig sondern gnädig ist, weil Jesus die Strafe und den Zorn und die Rache Gottes auf sich genommen hat.
Dieser Gedanke ist eben heikel. Das ist ja im Kern die Idee von penal substitution. Bei diesem Gedanken wird Gott nicht weniger gewalttätig, er verzichtet nur uns gegenüber auf Gewalt, auf Strafe und Vergeltung, weil er seine Wut und seinen Zorn an Jesus ausgelassen hat. Jesus hat den tödlichen schlag abbekommen, weil er sich dazwischen geworfen hat. Und nur darum bleiben wir verschont. Aber genau dieses soteriologische Modell zementiert eben die Vorstellung eines rachsüchtigen, nach ausgleichender Gerechtigkeit strebenden Gottes, der erst zufrieden sein kann, der erst vergeben kann, wenn jemand bezahlt hat. Aber was ist besonders an Vergebung, wenn vorher jemand dafür bezahlt hat? Das kann doch jeder. Gottes Liebe ist und bleibt Feindesliebe. Er fängt nicht erst an zu lieben, wenn der Feind sich zum Freund gewandelt hat. In Jesus offenbart sich nicht nur eine Methode, wie Gott in Zukunft auf Gewalt verzichten kann, sondern in Jesus offenbart sich das absolut gewaltfreie Wesen Gottes.

Montag, 2. Januar 2017

Movecast 13 ist online

In dieser Episode zum Thema Moral und Ethik beschäftige ich mich mit den Aussagen des Paulus, dass der Buchstabe des Gesetzers den Tod bringt, wohingegen der Geist Leben bringt.
Für Paulus ensteht Gehorsam Gott gegenüber nicht durch die Buchstaben des Gesetzes, nicht durch einzelne Gebote, also nicht durch Moral, sondern durch das prägende Wirken des Geistes in unserem Leben. Der Geist vermittelt uns das Leben Gottes und damit die Werte, Massstäbe und Haltungen Gottes, die uns dann befähigen, das Rechte zu tun. Der Geist ist wie ein innerer ethischer Kompass unseres Lebens.
Diese neue Freiheit bringt grosse Verantwortung mit sich und kann missbraucht werden. Dessen ist sich auch Paulus bewusst. Darum ist für ihn die Frucht des Geistes ein klares Indiz dafür, ob dieser Geist wirklich in mir zuhause ist und seine prägende Wirkung entfaltet.


Movecast 13


Freitag, 23. Dezember 2016

Mittwoch, 14. Dezember 2016


Das Gute hat einen Namen: Jesus Christus.

Das Gute hat ein Zuhause: das Reich Gottes.

Das Gute hat eine Stimme: die Gemeinde Jesu.

Das Gute hat ein klares Gesicht: die Liebe!

Das Gute hat ein Ziel: diese Welt!

Samstag, 12. November 2016

Christ - Superchrist - US Präsident

Auch ich muss noch ein paar Gedanken zur amerikanischen Präsidentschaftswahl abgeben.
Natürlich bin ich schockiert über das Wahlergebnis. Aber noch betroffener macht mich, dass offensichtlich über 80% der Evangelikalen Trump gewählt haben.
Leute wie Bill Johnson von Redding oder Franklin Graham, der Sohn und Nachfolger von Billy Graham posten ganz selbstbewusst, dass Trumps Wahl ein großer Sieg für das Reich Gottes ist und nicht weniger als ein Wunder Gottes. Hillary Clinton ist das personifizierte Böse und Trump ein wunderbarer Christ.

Das haben wir von unserer Bekehrungs-Theologie! Hauptsache bekehrt, Hauptsache ich bin Christ. Aber es geht doch nicht darum, ob sich jemand Christ nennt, sondern ob er als Christ lebt und entscheidet. Das erinnert mich sehr an die Zeit von Kaiser Konstantin, wo das Christentum zur Staatsreligion wurde, also ganz eng verknüpft mit Politik. Da war es am Ende egal wie man lebte, Hauptsache der Schlusspunkt des Lebens stimmt, nämlich die Taufe. So hat sich Kaiser Konstantin und viele andere erst auf dem Sterbebett taufen lassen, um leben zu können wie sie wollen, aber schließlich mit dem richtigen Schlusspunkt des Lebens. Und heute geht es weniger um den Schlusspunkt, sondern den Anfangspunkt: die Bekehrung. Hauptsache dieser Punkt stimmt. Da zaubern Trump und andere aus seinem Stab das Bekehrungsdatum aus dem Hut und schon ist alles in Ordnung, weil der Startpunkt stimmt, egal wie sie danach leben, handeln oder entscheiden.

Als es um die letztendliche Entscheidung ging, wer beim Vater landet und wer nicht, spielte bei Jesus in Matthäus 25 der Startpunkt oder der Endpunkt überhaupt keine Rolle, sondern allein das Verhalten. "Ich war Flüchtling und ihr habt mich aufgenommen, ich war arm und ihr habt euch um mich gekümmert." Von mir aus kann man gerne sagen, dass beide Präsidentschaftskandidaten ein Übel sind und der eine weniger übel als der andere. Aber den Wahlsieg von Donald Trump als Sieg für das Reich Gottes und als Wunder Gottes zu bezeichnen, das geht nun überhaupt nicht. Egal ob es von Graham oder Johnson kommt.

Und ich bin auch gegen Abtreibung und für das Leben. Aber genau die Politiker, die so vehement gegen Abtreibung sind scheren sich einen Dreck darum, wie es mit dem geborenen Leben weitergeht. Genau für diese Neugeborenen wir dann nämlich die Krankenversicherung abgeschafft und ihre Mütter wissen nicht, wie sie zum Kinderarzt gehen sollen! Und genau diese Neugeborenen werden Jahre später im Kugelhagel der vielen Waffen  Opfer. Wir sollten nicht nur Pro Life sondern pro Living sein!

Montag, 31. Oktober 2016

Warum Eltern so wichtig sind...

Inspirierender kurzer Video, wie Kinder auf eigene Geschenke verzichten, um ihren Eltern etwas Gutes zu tun.

Donnerstag, 6. Oktober 2016

Reflexe statt Reflexion

In unseren christlich evangelikalen Kreisen begegnen mir allzuoft so typische Reflexe. Ein Reflex ist ja eine Handlung, die mein Körper ausführt ohne Nachzudenken. Wenn ich ausrutsche, wedeln meine Arme und strecken sich meine Beine noch bevor ich darüber nachdenken kann, wie ich das Gleichgewicht wiederfinde. Wenn mir etwas ins Auge fliegt, schließen sich meine Augenlieder, noch bevor ich sehe was da auf mich zukommt. Reflexe! Sie brauchen kein Hirn, nur entsprechende Reize.

Das Gegenteil wäre Reflexion, klingt zwar so ähnlich, ist aber genau das Gegenteil. Reflexion ist das Substantiv von Reflektieren, also von Nachdenken, Überlegen oder Überdenken.

Nun gibt es leider sehr viele Themen, bei denen ganz schnell diese typischen Reflexe zutage treten. Gespräche über Hermeneutik, die Irrtumslosigkeit der Schrift, Homosexualität, den Islam, Scheidung, Sex vor der Ehe, eine ewige Hölle, die anselmsche Erlösungslehre, israelische Politik oder Katholiken werden oft von Reflexen bestimmt. Das sind Reizthemen und Reize lösen Reflexe aus. Da wird reagiert, noch bevor man richtig zugehört hat. Da wird sofort abgelehnt, ausgegrenzt, verurteil, gerichtet und mit dem Etikett unbiblisch, ungeistlich oder Irrlehre versehen. Reflexe laufen gewöhnlich immer gleich ab und kennen wenig Variationen.

Aber so kommt man nicht weiter, ergeben sich keine Gespräche, entsteht kein Verständnis und wächst Intoleranz. Es wird Zeit, dass Reflexion unsere evangelikalen Reflexe ersetzt. Es wird Zeit, dass wir wieder das Hirn gebrauchen. Viele Themen sind so angstbesetzt, so tabu, so mit festen Meinungen und Vorurteilen zubetoniert, dass Reflexion darüber ohne Chance ist. Dabei ist der Ausdruck "Fürchte dich nicht" der häufigste Satz in der Bibel. Das sollte uns freisetzen zum Reflektieren, Nachdenken, Diskutieren und Dazulernen. Schließlich sollen wir Jünger sein, also Schüler und das sind Lernende.

Darum lade ich uns alle ein, uns nicht länger von Reflexen einschüchtern zu lassen, sondern mutig zu reflektieren und den Reflexen zu trotzen. Reflexion hat am Ende den längeren Atem.

Freitag, 30. September 2016

Neuer Podcast von Martin Benz: movecast

Seit einer Woche bin ich wieder zurück und am Arbeiten in der Gemeinde und bei meinem neuen Arbeitgeber, dem IGW in Zürich.
Gleichzeitig bin ich zum 5. Mal Vater geworden und wir sind sehr  dankbar für unsere Tochter Semeja Zoe.

Im IGW bin ich eingestiegen  als Studienleiter  für den Masterstudiengang in praktischer Theologie. Ich freue mich sehr auf diese neue Aufgabe.
In der Gemeinde haben wir gerade eine Predigtserie hinter uns, die deutlich machen sollte, dass wir als Christen und als Gemeinden  biblische Ethik brauchen  anstatt Moral. Um immer wieder moralisch sprachfähig zu sein  und Handlungsanweisungen auch für aktuelle moralische Fragen zu finden,, braucht es  Ethik, ethische Prinzipien,  die Werte des Himmels,  und dann immer wieder  Moral ableiten zu können. Ich habe dann versucht 3 großen ethischen Prinzipien zu erarbeiten. sie können auf unserer Homepage als Podcast und Video nach gehört und nachgesehen werden.

Gleichzeitig habe ich einen neuen Podcast gestartet, mit dem Titel "movecast",  in dem ich versuche in  relativ kurzer Zeit zu schildern,  was mir theologisch und geistlich im Moment oder auch schon seit längerem sehr am Herzen liegt.

Die ersten beiden Episoden sind nun online  und ich freue mich über alle,  die diesen Podcast abonnieren, auf den sozialen Medien teilen und mir Feedback geben.
Hier der Link zu Itunes
Hier der Link zur Podcast-Webseite

Mittwoch, 22. Juni 2016

Lese- und Hörempfehlungen Sommer 2016


Auch dieses Jahr möchte ich euch ein paar Tipps weitergeben, was ihr  in diesen Sommerferien lesen oder hören könnt während der Ferien oder der freien Tage.
Grundsätzlich empfehle ich euch keine Bücher, die ich nicht selbst gelesen habe.

Rob Bell: Mit dir. Für dich. Vor dir.: Was Gott ist. Und was nicht


Mit Gott gibt es ein gravierendes Problem. Viele Menschen behandeln ihn wie einen Oldtimer, wie ein Auslaufmodell. Ein Relikt aus einer anderen Zeit - kaum ernst zu nehmen, kaum relevant. Rob Bell fordert dazu heraus, das eigene Bild von Gott zu hinterfragen und festgefahrene Denkmuster zu durchbrechen. Gott ist mit uns, für uns, und er geht uns voran. Wenn wir das zutiefst verstehen, wird unser Leben tiefer, intensiver, zufriedener, glücklicher sein, als wir es jemals für möglich gehalten hätten.
Das Buch hat 2 Teile: der erste Teil ist eher wissenschaftlich, hat viel mit Astronomie und unserem Planeten zu tun und im zweiten Teil behandelt Rob Bell die Frage, was das für unser Gottesbild bedeutet. Er kommt zum Schluss dass Gott immer mit uns, für uns und vor uns ist.
Der Titel war für mich Grundlage einer Predigtserie, die wir im Oktober machen werden.


Carsten Schmelzer Hölle: Der Blick in den Abgrund

 

Wer nach der Hölle fragt, spricht damit zugleich weitere Themen an: Wie soll man sich die Hölle konkret vorstellen? Wie passt eine Hölle überhaupt zum Wesen Gottes? Wie kann man an Gott als Richter glauben? Und nicht zuletzt: Welchen Weg zeigt Gottes Wort, um nicht verloren zu gehen? Dem Autor gelingt es, tiefgründige Fragen gut lesbar zu behandeln. Er liefert eine biblisch-theologische Gesamtschau ab, die kniffligen Fragen nicht ausweicht und mit den Antwortversuchen prägender Denker der Geschichte im Gespräch ist.
Im Gegensatz zum Buch von Rob Bell über die Hölle zeichnet Carsten Schmelzer ein umfassenderes Bild des Themas. Bei Rob Bell klingt es  ja bereits im Titel an: das letzte Wort hatte Liebe. Eine ewige qualvolle Hölle ist bei Rob Bell er nicht vorstellbar. Carsten Schmelzer behandelt die großen theologischen Ansätze zum Thema Himmel und Hölle sehr objektiv und verständlich. Es wird deutlich, dass es in der Kirchengeschichte bis heute 3 große Ansätze gab, wie man sich die Ewigkeit vorgestellt hat:
·         eine ewige, qualvolle Hölle für alle Verlorenen,
·         die endgültige Vernichtung aller Verlorenen in der Hölle
·         oder die endgültige Versöhnung aller Menschen mit Gott am Ende der Zeit
Wir werden das ganze Thema auch in einem Learning Center am 17. Oktober im Anschluss an die entsprechenden Predigten vertiefen.

Timothy Geddert: Verantwortlich leben. Wenn Christen sich entscheiden müssen


Wie reagieren Kirchen und Gemeinden auf scheiternde Ehen? Geht es die anderen etwas an, wie ich mit meinem Geld umgehe? Wie steht die Bibel zu Homosexualität? Und wer sagt mir eigentlich, was richtig ist? Wenn es um die heißen Fragen in Sachen Ethik geht, stehen viele Gemeinden ratlos da: Die oftmals schwarz-weißen Antworten von früher scheinen nicht mehr zu funktionieren. Zugleich macht die Tendenz, ethische Fragen als Privatsache zu betrachten, auch vor Kirchen und Gemeinden längst nicht Halt.
Ein ganz hervorragendes Buch zum Thema Ethik und Moral. Genau das halte ich für eines der ganz wichtigen Themen und auch dazu wird es im Herbst eine 4-teilige Predigtserie geben mit dazugehörigem Learning Center am 12. September. Eine gute Vorbereitung dazu ist dieses Buch und außerdem eine wichtige Auseinandersetzung mit den großen ethischen Fragen, die so viele von uns beschäftigen.

Podcasts


Immer öfters höre ich auch podcasts an und lese nicht mehr nur Bücher. Einige interessante möchte ich euch hier noch empfehlen als Alternative zu einem gelesenen Buch. Die podcast kann man auf seinem Smartphone abonnieren oder am PC anhören.

Vineyard Leiterkonferenz 2016

Im Mai waren einige uns auf der Vineyard Leiterkonferenz in Speyer. Ihr findet die gesamten Vorträge diese Konferenz im Link.
Besonderer Gast war Alan Scott aus einer Vineyard in Nordirland. Seit Jahren beten sie jeden Samstag auf der Straße für die Kranken und haben in den letzten 2 Jahren nun erlebt, wie über 6000 Personen zum Glauben gefunden haben. Seine Vorträge sind sehr zu empfehlen.

Hossa Talk: Jay und Gofi erklären die Welt


Ein sehr frecher podcast von 2 Männern, die in einer Art Talkshow miteinander und manchmal  mit Gästen sehr kontroverse christliche Themen diskutieren. Jay und Gofi sind alt eingesessene Evangelikale, die aber auch immer wieder hadern mit ihrem eigenen Glauben und auf der Suche sind nach besseren Antworten und einem überzeugenderen Glauben.
Sie kennen keine Tabus und sagen was sie denken. Daher ist der Podcast bei iTunes auch als “exlicit“  gekennzeichnet.
Das ist sicher kein Podcast für jedermann, aber wer sich vor kritischen Fragen nicht scheut und keine Angst hat, seine eigenen Überzeugungen zu hinterfragen, der findet hier ein paar Weggenossen.

Ich wünsche euch Inspiration und Freude beim Lesen und Hören!